Liebe Gemeinde!

12 Jahre sind vergangen, dass ich mit Schwester Johanna Maria zusammen hier in den Seelsorgebereich nach Bad Münstereifel gekommen bin und als Gemeindereferentin angefangen habe. Die Anfangszeit war recht schwierig – kamen wir doch aus Albanien, wo die Menschen sehr neugierig sind und sofort den Kontakt zu fremden Menschen suchen. Hier erlebten wir zunächst … das Gegenteil. Zugegeben, wir haben Ihnen viel zugemutet: als gottgeweihte Schwestern, die nicht so aussehen und sich (vielleicht in manchen Augen) auch nicht so verhalten. Und nach einigen Monaten kam auch noch ein 7jähriges Kind dazu – Adelina, die fortan bei und mit uns lebte.

Aber nach und nach habe ich gelernt, die „Eifler“ zu verstehen. Ich habe eine unglaubliche Akzeptanz und Toleranz erlebt. Ich habe erlebt, dass nachgefragt wurde nach meiner Lebensform und das finde ich toll. Ich habe erlebt, wie Adelina vollständig angenommen und aufgenommen wurde – egal wo sie hinkam: in der Schule, in den verschiedenen Sportvereinen, bei den Behörden und natürlich auch und vor allem in der Kirchengemeinde.

Gerne habe ich mit den Kindern in der Schule, im Gottesdienst und in der Kommunionvorbereitung gearbeitet. Schön waren auch immer die Begegnungen mit den Familien der Kommunionkinder. Jugendarbeit habe ich geliebt! In vielen Bereichen war ich in dieser langen Zeit tätig – und immer war es schön. Ich war immer sehr gerne ansprechbar für alle möglichen pastoralen Belange.

Ich habe erlebt, wie mich die Gemeinschaft und das Gut-sein sooo vieler Menschen in der Zeit meiner schweren Krankheit aufgebaut, ja gesund gemacht hat. Ich hätte das ohne Ihren Zuspruch nicht so geschafft!

Und dann haben wir die schwere Zeit der Flut und deren Folgen gemeinsam erlebt, erleidet, bestanden. Da gibt es plötzlich kein „Sie“ mehr, keine Frage nach Herkunft und Lebensform – da gibt es nur Menschen, die zusammenstehen und sich helfen, so gut sie können.

Für alles Erlebte hier in Bad Münstereifel möchte ich von Herzen „DANKE“ sagen!

Und ich möchte um Verzeihung bitten für das, was ich Ihnen schuldig geblieben bin: gute und wohlwollende Worte, ein ausdrückliches Dankeschön, eine helfende Hand, Zeit zum Zuhören und Verstehen. Ich möchte auch um Verzeihung bitten, wenn ich Menschen enttäuscht, vielleicht sogar verletzt habe; wenn ich hinter den berechtigten Erwartungen zurückgeblieben bin. Ich kenne mein Temperament und weiß um meine Schwächen.

Nun werde ich und werden wir vom Erzbistum in die Gemeinde nach Langenfeld (Rheinland) versetzt. Es war nicht unsere Entscheidung – auch wenn wir darum wussten. Wir werden dort neu anfangen – mit der Arbeit und im Leben.

Der Abschied fällt mir sehr schwer – ich bin wirklich sehr gerne hier bei Ihnen. Ja, ich möchte sagen, ich bin begeistert von den „Eiflern“, die ich sehr in mein Herz geschlossen habe.

Von Herzen wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute und natürlich Gottes reichen Segen.

Ihre Schwester M. Roswitha Fahrendorf